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Das Geheimnis des Heiligen
Gral

von: Stefan Andromis Herbert - Datum: Juni
2006

Als der von Dan Brown verfilmte Roman
"Da Vinci Code" am 18. Mai 2006 weltweit in unseren Kinos anlief, bewirkte er
intensive Diskussionen über den Heiligen Gral mit seiner möglichen Verbindung zum
Templer-Orden und einer Liebebeziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena. Für mich hat
dieses Thema eine ziemliche Brisanz, da es unser christliches Weltbild der letzten 2000
Jahre völlig auf den Kopf zu stellen vermag.
Die Hintergründe der Romanvorlage basieren auf dem Buch "Der Heilige Gral und seine
Erben" von Lincoln, Baigent und Leigh (TB Bastei Lübbe) und mit diesem Text möchte
ich die möglichen Zusammenhänge dieses sehr komplexen Themas aufzeigen. Dabei geht es
mir nicht darum, ob sie wirklich der Wahrheit entsprechen, sondern ich möchte Anregungen
geben, durch welche jeder zu seiner eigenen Wahrheit finden kann.
Was ist der Heilige Gral?
Um den Heiligen Gral ranken sich viele Geschichten in denen er sehr unterschiedliche
Bedeutungen erhält. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um ein Gefäß in Form eines
Kelches oder einer Schale mit magischen Eigenschaften. Wenn man aus ihm trinkt, verspricht
er ewiges Leben, immerwährende Schönheit oder Gesundheit. Hier scheint die Wirkung des
Grals vergleichbar zu sein mit dem "Stein des Weisen" aus der Alchemie. Diese
Verbindung rückt sogar noch näher in der dritten möglichen Variante, in welcher der
Gral selber ein Stein sein soll.
Die Ursprünge eines Gefäßes mit heilender Wirkung sind in der keltisch-irischen
Mythologie zu finden. Dort steht es einerseits für die Fülle der Natur, für
Fruchtbarkeit und reiche Ernte und hat deshalb die gleiche Symbolik wie ein Füllhorn.
Andererseits gibt man ihm auch die Bedeutung für Tod und Wiedergeburt, Werden und
Vergehen.
In unserer europäischen Literatur taucht der Heilige Gral das erste Mal 1188 in einer
Schrift des Franzosen Chrétien de Troyes (ca. 1150 bis 1190) mit dem Titel
"Perceval, der Waliser oder die Erzählung vom Gral" auf. Inhaltlich geht es um
einen jungen Mann, der an den Hof des König Artus kommt, um dort zum Ritter ausgebildet
zu werden. Hier muss er verschiedene Herausforderungen bestehen und trifft auf einer
seiner Reisen einen geheimnisvollen Burgherren, der ihm den Heiligen Gral zeigt. In diesem
Werk bleibt leider völlig offen, was dies für ein Gefäß ist und welche Bedeutung es
hat. Es wird nur berichtet, dass es eine Gralsfamilie gibt, zu der auch unser junger Held
gehören soll.
Etwas später verfasst Wolfram von Eschenbach seine Gralsgeschichte in deutsch über
seinen Ritter "Parzival", die inhaltlich ähnlich aufgebaut ist. Auch hier wird
der Gral in Zusammenhang gebracht mit einer geheimen Gralsfamilie, welche sich
verpflichtet hat, ihn zu hüten, bzw. dem Gral zu dienen. Dabei kommen junge oder
unerfahrene Ritter vor, die Prüfungen bestehen müssen, und - wenn sie reif genug sind -
zum Gral berufen und in seine Geheimnisse eingeweiht werden.
Beide Werke haben keinen christlichen Hintergrund. Dieser taucht erst einige Jahre später
auf, als der Gral mit zwei besonderen Situationen in dem Leben von Jesus in Verbindung
gebracht wird: Zum Einen soll es sich um jenen Kelch handeln, in welchem er bei seinem
letzten Abendmahl an seine Jünger symbolisch "sein Blut" weitergegeben hat. Er
ist also eingebunden in eine rituelle Handlung, die wir noch heute aus der
Abendmahl-Zeremonie unserer Gottesdienste kennen. Andererseits, oder manchmal auch
gleichzeitig, soll es sich nach dem Nikodemus-Evangelium um jenes Gefäß handeln, in
welchem Joseph von Arimathia Jesus Blut auffing, als er am Kreuz hängend mit der Lanze
des Longinus in die Seite gestochen wurde.
Joseph war ein reicher Kaufmann und ein Freund der Familie von Jesus mit einer eigenen
Schiffsflotte. Nach der Kreuzigung floh er mit dem heiligen Kelch vor den Römern nach
Südfrankreich oder nach Britannien. Hierfür mag es Hinweise gerade in der Literatur
beider Länder geben, ich bin aber eher geneigt zu sagen, dass Joseph nach Südfrankreich
gegangen ist. Dazu später mehr. Allerdings bleibt absolut unklar, was mit dem heiligen
Gefäß zwischen Josephs dortigen Ankunft (ca. im Jahre 50 nach unserer Zeitrechnung) und
dem ersten Auftauchen des Grals in der höfischen Literatur Ende des 12. Jahrhunderts
geschehen sein soll. In dieser Zeit ist von ihm nirgendwo zu lesen, erst recht nicht in
christlichen Texten. Und das ist schon verwunderlich, wenn er gleichzeitig eine solch
starke christliche Bedeutung haben soll?
Aus diesem Grunde vermute ich eher, dass er ursprünglich überhaupt nichts mit Jesus und
seinem Wirken zu tun gehatte, also damit heidnischen Ursprungs ist und erst später - wie
bei anderen Symbolen - in den christlichen Glaubensschatz übernommen wurde. Doch das
erklärt wiederum nicht, was es mit der Gralsfamilie auf sich hat oder die Existenz der
Gralsritter, welche gelobt haben, Hüter oder Bewahrer dieses heiligen Gefäßes zu sein.
Interessanterweise taucht der Gral in der Blütezeit des Ordens der Tempelritter auf, der
um 1118 in Jerusalem gegründet worden ist, um die christlichen Pilger auf ihrer Reise ins
Heilige Land zu beschützen. Allerdings hat er sich schon kurze Zeit danach sehr rasch
über ganz Europa ausgebreitet und hatte sehr viel Einfluss auf die damalige Politik und
Gesellschaft. Doch, wenn es eine Verbindung des Grals mit dieser christlichen Ritterschaft
gäbe, dann wäre dieser mehr als nur ein Symbol der Fülle und des Überflusses. Verbirgt
sich hinter seinem mythologischen Ursprung eventuell doch ein geschichtlicher Hintergrund?
Eine Erklärung mag ein abgewandelter Ausdruck des Wortes "Heiliger Gral" in der
französischen Sprache geben, in jener Sprache, in der von ihm das erste Mal berichtet
worden ist. Der Ausdruck "Heiliger Gral" heißt in französisch
"Sangraal". Dies könnte eine Abwandlung des Begriffes "Sangreal"
sein, zu deutsch "Königliches Blut", und somit eine Verbindung zu einer
geheimnisvollen "Gralsfamilie" schaffen. Aber um was für eine Familie handelt
es sich hier?
Dan Brown stellt in seinem Werk eine Verbindung her zu Maria Magdalena, die mit Jesus von
Nazareth verheiratet gewesen sein soll und sagt, dass beide zusammen ein Kind gezeugt
hatten. Nach der Kreuzigung sei sie mit Joseph von Arimathia nach Südfrankreich gegangen
und ihre Nachkommen hätten hier Jahrhunderte lang im Verborgenen vor der römischen
Kirche gelebt. Das passt natürlich auch mit jener Tatsache überein, dass der erste Autor
über den Gral, Chrétien de Troyes, Franzose gewesen ist und er damit als erster von
jener Geschichte gehört haben mag. Bei Wolfram von Eschenbach ist übrigens nicht ganz
klar, ob seine Handlung, die allgemein nach England verlegt wird, nicht möglicherweise
auch in Südfrankreich gespielt hat. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass
gerade im Süden Frankreichs und auch in Spanien, Maria Magdalena häufiger verehrt wird,
als die Mutter Maria.
Seltsame Berichte über den Dorfpfarrer Saunière aus Rennes-le-Château in Südfrankreich
gegen Ende des 19. Jahrhunderts, scheinen dies zu bekräftigen. Ohne bisher erkennbaren
Grund, kam dieser Geistliche nämlich zu ungeahnten Reichtum und hat einige Millionen
France in die Verschönerung seiner kleinen Kirche investieren können. Doch woher hat er
dieses Geld? Es heißt, er hätte das Grab von Jesus oder von Joseph von Arimathia
entdeckt und sich sein Schweigen vom Vatikan teuer erkaufen lassen. Saunière lebte
übrigens in genau jener Gegend, in welcher einst sowohl die Katarer, wie auch die Templer
sehr präsent gewesen sind. Auch Hitler, angezogen vom Mythos des "reinen
Blutes", wurde auf den Dorfpfarrer aufmerksam und beauftrage den damaligen
Gralsforscher Otto Rahn, den sagenhaften Kelch zu suchen.
Jesus und Maria Magdalena
In dem Bild, welches uns die vier bekannten Evangelisten von Jesus und seinem Leben
erzählen, kommt keine Frau vor, noch nicht einmal eine Liebesgeschichte. Besonders die
katholische Kirche hebt immer wieder das zölibatäre Leben Jesu deutlich hervor, was
natürlich auch damit zu tun hat, dass sie sonst ein Problem damit hätte, weiterhin an
dem Zölibat für Priester festzuhalten. Aber, kann es möglicherweise doch Gründe für
diese Ehe geben, die bisher übersehen oder anders gedeutet wurden?
Beginnen wir dabei mit dem Stellenwert der Ehe im damaligen Judentum. Zu jener Zeit war es
sogar für Rabbis üblich, verheiratet zu sein. Wenn jemand nicht verheiratet gewesen war,
dann hat es immer Aufsehen erregt. In den Evangelien wird aber nirgendwo erwähnt, dass
Jesus "nicht" verheiratet gewesen ist, weshalb man im Umkehrschluss annehmen
kann, dass er wirklich geheiratet hatte.
In Math. 19,4-5 sagt Jesus über die Ehe: "Habt ihr nicht gelesen, dass der, welcher
sie schuf, sie von Anfang an als Mann und Weib schuf? und sprach: Darum wird ein Mensch
Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und es werden die zwei ein Fleisch
sein." Wenn Jesus dies gepredigt hat, warum soll er dann gleichzeitig seinen Worten
zuwider gehandelt haben? Dann wäre er doch nicht glaubhaft, oder? Wenn Jesus nun
verheiratet gewesen ist, dann liegt der Gedanke nahe, dass in der Heiligen Schrift hiervon
berichtet wird. Schon, um den Beweis zu liefern, das er - wie es üblich war - eine Frau
besaß. Später wäre diese Tatsache aus den Evangelien wieder entfernt worden, um keine
Zweifel an möglichen Nachfahren aufkommen zu lassen.
Und da taucht ganz am Anfang von Jesus Wirken die Hochzeit von Kana auf, in der es einige
Merkwürdigkeiten gibt. Die Braut und der Bräutigam werden in den Schriften namentlich
nicht genannt. Dafür ist Jesus Mutter Maria anwesend, die sich darum sorgt, dass der Wein
ausgegangen ist (Joh. 2,1 ff) und bittet Jesus um Nachschub. Das würde sie doch nur tun,
wenn sie die Hochzeit organisiert oder für den Ablauf verantwortlich ist? Dies wäre gut
erklärbar, sollte sie die Bräutigam-Mutter gewesen sein. Handelt es sich deshalb um
einen versteckten Hinweis auf die Hochzeit von Jesus mit Maria Magdalena?
In Joh. 11,1 ff kommt Lazarus vor, der Bruder von Maria von Bethanien. Wenn man daraus
schließt, dass diese Maria identisch ist mit der Maria Magdalena (weil aus dem Ort
Magdala kommend und jetzt in Bethanien lebend), dann ist Lazarus Jesus Schwager. Im Vers 4
heißt es, "Da sandten die Schwestern (Maria und Martha) zu ihm (Jesus) und ließen
ihm sagen: Herr, siehe, den Du lieb hast, ist krank". Das man seinen Schwager
"lieb hat" ist sicherlich verständlich, denn er gehört ja nach der Hochzeit
mit zur Familie, bei einer fremden Person wäre diese Aussage allerdings etwas
merkwürdig.
Nach Jesus Auferstehung aus dem Grab erscheint er Maria Magdalena als erster (Math. 28,9)
und bittet sie, die frohe Nachricht an seine Brüder weiterzugeben und ihnen mitzuteilen,
wo sie ihn träfen (Vers. 10). Damit stellt sich mir die Frage, warum er sich nicht zu
erst seinen Jüngern zeigt, zumal diese doch seine Botschaft in die Welt hinaustragen
sollen?
Übrigens gibt es in den Evangelien Unstimmigkeiten über die letzten Worte, die Jesus am
Kreuz gesprochen haben soll. In Math. 27,46 und Markus 15,34 sagt Jesus in der neunten
Stunde: "Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" Bei Lukas 23,44-46
sagt er dagegen ebenfalls in der neunten Stunden: "Vater, in Deinen Händen übergebe
ich meinen Geist". Bei Johannes 19,30 sagt er nur: "Es ist vollbracht!"
In außerbiblischen Texten gibt es sogar Hinweise darauf, dass Jesus gar nicht am Kreuz
starb. In den Nad Hammadi-Schriften (Ägyptischen Ursprungs) wird angedeutet, dass nicht
Jesus gekreuzigt worden ist, sondern jemand anderes an seiner Stelle trat. Jesus hat dabei
seine Kreuzigung im Hintergrund beobachtet. Hinweise hierauf finden sich auch im Koran
Sure 4, 157. Da ist von Jesus als dem Sohn Maria's die Rede und dann heißt es im Vers 158
"Sie haben ihn nicht getötet und auch nicht gekreuzigt, sie dachten nur, sie hätten
es getan."
Die andere Variante ist jene, dass Jesus Menschen mit Heilwissen um sich herum hatte,
welche ihn durch den in Essig getränkten Schwamm (Joh. 19,29) eine Droge gegeben haben
könnten, die ihn bewusstlos gemacht oder in Koma fallen ließen. Daraufhin hätte Joseph
von Arimathia ihn für Tod erklärt und bei Pilatus nachgefragt, ob sie ihn bereits an dem
gleichen Abend vom Kreuz nehmen könnten, um ihn zu begraben. So würde der in Koma
liegende Jesus zu einem Grabmahl auf Josephs Grundstück gebracht und dort in den drei
folgenden Tagen wieder gesund gepflegt worden sein.
Was auch immer mit Jesus genau geschah, ist für mich in diesem Zusammenhang eigentlich
nicht so wesentlich. Denn spannender ist die Frage über seine Nachfolge. In der uns allen
bekannten offiziellen Version der Römischen Kirche hat Jesus keine Kinder und sein
Lieblingsjünger Petrus wird von ihm als sein Nachfolger ernannt. Dieser macht sich auf
die Reise nach Rom, gründet dort die erste christliche Gemeinde und ist Urheber für die
bis heute existierende Papstlinie. Falls Jesus aber verheiratet gewesen wäre und
Nachkommen gehabt hätte, wäre die Nachfolge an diese übergegangen.
Und das ist ein sehr heikles Thema für die Römische Kirche, welche ihre Macht
schließlich auf den Nachfolge-Anspruch von Petrus begründet. Würde sich also im
Nachhinein herausstellen, dass dies nicht wahr ist, dann würde die Kirche faktisch ihre
Macht verlieren, denn der heutige Papst Benedikt XVI. hätte dann rein rechtlich keinen
Anspruch mehr darauf, Stellvertreter Gottes auf Erden sein. In diesem Zusammenhang kann
man sich zudem die Frage stellen, warum gerade Petrus die Christus-Botschaft an die Welt
verbreiten sollte, der Jesus doch vorher dreimal verleugnet hat (Math. 26,69ff)? Zudem
gibt es im Neuen Testament Textstellen, in denen Jesus alle seine Jünger ansprach. So
sagt er in Math. 28,19 zu ihnen: "Geht hinaus in die Welt und macht alle Nationen zu
Jüngern" und bei Markus 16,15: "Geht in die Welt hinaus und predigt das
Evangelium der ganzen Schöpfung".
Der König der Juden
Sollten diese bisher durch Rom verborgen gebliebenen Zusammenhänge doch der Wahrheit
entsprechen, so stellt sich für mich allerdings die Frage, ob Jesus mehr gewesen ist, als
nur ein unbequemer Prediger. Stimmt es nämlich, dass die Gralsfamilie wirklich von Jesus
Blutslinie abstammt und sich dies auf den französischen Ausdruck "Sangreal"
bezieht, warum wird dann von "Königlichem Blut" gesprochen? Entspringt Jesus
etwa einer jüdischen Königsfamilie? Ging es damals bei seiner Gefangennahme und
Verurteilung nicht nur um sein religiöses Wirken, sondern hatte dies auch politische
Hintergründe? Wurden beim ersten Kreuzzug nach Jerusalem Hinweise hierauf gefunden, dass
die im verborgenen lebende Blutslinie Jesu in Europa möglicherweise mehr Macht besäße,
als die Kirche ihr zugestand?
Schauen wir uns dazu Jesus Vergangenheit an. Der Evangelist Math. Kap. 1,1-16 beschreibt
seine Herkunft über seinen Vater Joseph als Nachfahre des König David. Damit ist also
auch Jesus aus dem Hause David und entstammt dieser besonderen Herkunftsfamilie. Um zu
zeigen, dass er der Sohn Gottes ist, wird um ihn herum noch eine Jungfrauen-Geburt kreiert
(Math. Kap. 1,18 ff.). Das ist nichts Einzigartiges, denn in den indischen Schriften über
die Geburt von Siddharta Gautama Buddha ist Vergleichbares zu erfahren. Hier war es ein
weißer Elefant, der - ähnlich dem Heiligen Geist in der Bibel - diesen besonderen
göttlichen Sohn zeugte. Zu guter Letzt verkündet ein Engel der schwangeren Maria, dass
ihr Sohn jener Erlöser oder Erretter sein wird, von welchem im Alten Testament die Rede
ist. (Math. 1, 21-25).
Unabhängig von der jungfräulichen Zeugung, finden sich auch an anderer Stelle Hinweise,
dass Jesus ein Sohn des Volkes Israel ist. Denn das Volk ist sündig und Jesus wird bei
seiner Taufe durch Johannes (Markus 1,4) von seinen Sünden erlöst. Das hätte aus meiner
Sicht nicht geschehen müssen, wenn er bereits rein (also als Sohn Gottes) zur Welt
gekommen wäre. Aber die vier Evangelien unterscheiden sich auch in Bezug auf die Herkunft
von Jesus. Bei Matthäus stammt er - wie schon erwähnt - aus dem Hause David, einer
israelischen Adelsfamilie ab. Markus dagegen spricht im Kapitel 6,2 von ihm als den Sohn
eines Zimmermanns, also eines Handwerkers. Kann hier beides stimmen? Oder wurde dieser
Handwerker-Beruf nur gewählt um seine wahre königliche Herkunft zu verleugnen und ihn
als einen ganz normalen Menschen darzustellen?
Die Begriffe "Messias" und "Christus" stehen für den
"Gesalbten", damit wurde auch ein König angesprochen, weil nur der König das
Recht besaß, gesalbt zu werden. Damit muss Jesus nicht zwangsläufig der spirituelle
Erlöser sein, sondern hier kann es sich auch um die Erwartung eines weltlichen Führers
handeln, der das Volk Israel aus ihrer römischen Gefangenschaft befreit. Wichtig ist mir
noch die Tatsache, dass es sich bei der israelitische Königsdynastie um Priesterkönige
gehandelt hat. Das bedeutet, sowohl König David, wie auch seine Thron-Nachfolger besaßen
gleichzeitig die weltliche, wie die religiöse Herrschaft, waren also aus unserer Sicht
Kaiser und Papst in einer Person.
Als er auf dem Höhepunkt seines Wirkens von Pilatus vor Gericht geführt wird, fragt ihn
dieser (Markus 15,2) "...bist Du der König der Juden? - Jesus aber antwortete und
spricht zu ihm: Du sagst es." Bestätigt Jesus nicht hiermit seine auch
weltlich-königliche Herkunft? Weiter im Vers 12 wird er sogar vom Jüdischen Volk als ihr
König betrachtet: "Pilatus aber antwortete wieder und sprach zu der Volksmenge: Was
soll ich mit dem tun, den ihr den 'König der Juden' nennt?" In der Interpretation
der römischen Kirche bekommt der Ausdruck "König" zwar eine spirituelle
Bedeutung, aber wäre es nicht naheliegender, ihm auch einen weltlichen Bezug zu geben?
Somit könnte Jesus also nicht nur aus religiöser, sondern auch aus politischer Sicht
eine Gefahr für Rom gewesen sein. Dann ist auch viel verständlicher, dass er mit dem
Kreuzigungstod wie ein Verbrecher und (politischer) Feind Roms hingerichtet wurde. Denn,
wenn er wirklich nur ein spiritueller Führer des jüdischen Volkes gewesen sein sollte,
warum ist er Rom dann so gefährlich geworden, dass Herodes sogar alle Kleinkinder bei
seiner Geburt töten lies (Math. 2,13). Das Römische Reich war damals sehr groß und
bestand aus vielen unterschiedlichen Völkern, die alle ihre individuellen Kulte pflegen
durften. Das kümmerte die Römer nicht, solange die Völker nicht aufbegehrten und
weiterhin ihre Abgaben an Rom zahlten. Und warum sollte gerade die Geburt dieses Priesters
oder Rabbis Jesus für Roms Herrschaft so gefährlich sein? Sähe es nicht etwas anders
aus, wenn Jesus auch aus weltlicher Sicht von königlichem Blute wäre?
Wenn dem so ist, dann ist auf Golgata eine Kreuzigung inszeniert worden für einen
politischen Revolutionär, der bisher zwar keine herrschaftliche Gewalt besaß, aber den
Anspruch auf die Krone Jerusalems. Hinweise dafür finden wir möglicherweise in Math.
10,34, wo Jesus sagt "Ich bin nicht gekommen um Frieden zu bringen, sondern das
Schwert." Die Kirche deutet diese Aussage zwar im übertragenen Sinne, aber trotzdem
wäre es auch denkbar, sie wörtlich zu nehmen und sich zu fragen, wie friedlich Jesus
wirklich gewesen ist? Und noch eine Stelle, die auf eine königliche Herkunft hindeutet:
In Joh. 11,1 ff. salbt Maria Jesus die Füße. Wie schon erwähnt, ist dies eine Handlung,
welche in der damaligen Zeit für eine Huldigung oder Würdigung einer adeligen Person
verwendet wurde.
Ein anderes sehr wichtiges Thema ist die Herkunft Maria Magdalenas. Dem Buch "Der
heilige Gral und seine Erben" ist zu entnehmen, dass sie aus einem weiteren
israelitischen Königsgeschlecht stammt, dem Hause Benjamin. Dieses Geschlecht stellte den
ersten israelitischen König Saul und ihnen gehörte das Land um Jerusalem. Saul wurde von
David aus dem Hause Juda vertrieben und sein Sohn Salomo baute dann in Jerusalem seinen
berühmten Tempel. Aus dieser Sicht würden sich in Jesus und Maria zwei wichtige
Blutslinien vereinen und ihre Heirat hätte ihnen in ganz Israel eine sehr starke Macht
verliehen.
Die römische Kirche
In diesem Abschnitt möchte ich mich damit beschäftigen, wie sich der christliche Glaube
in Rom weiterentwickelt. Jeder weiß, das Petrus nach der Himmelfahrt Jesu nach Rom
gegangen ist und dort die erste christliche Gemeinde aufbaute. Die Christen waren hier in
der Minderheit und zudem nicht sehr beliebt, erkennbar an den ersten Christenverfolgungen
unter Kaiser Nero. Das änderte sich Anfang des 4. Jahrhunderts mit Kaiser Konstantin I.
Zu diesem Zeitpunkt gab es neben den Christen auch einen heidnischen Sonnengottkult aus
Syrien (monotheistisch), dem Mitraskult und den Göttinnenmutter-Kult. Kaiser Konstantin
I. war ein Heide und wurde erst auf dem Sterbebett im Jahre 337 getauft. Um aber sein Volk
mit diesen doch sehr unterschiedlichen religiösen Bräuchen besser beherrschen zu
können, bemühte er sich, die Kulte miteinander zu verschmelzen.
Wegen seiner persönlichen Nähe zum Sonnenkult, richtete Konstantin den Sonntag als
Feiertag ein. Das gefiel der Christengemeinde sehr gut und taten es ihm nach. Denn, in dem
sie ihren Feiertag von dem bisherigen Sabbat-Samstag auf den Sonntag legten, distanzierten
sie sich noch deutlicher von ihrem jüdischen Ursprung. Der anfänglich am 6. Januar
gefeierte Geburtstag von Jesus wurde zudem auf den 25. Dezember vorverlegt, welcher den
hohen Feiertag des Sonnenkultes darstellte. Dann berief Kaiser Konstantin im Jahre 325 das
Konzil von Nicäa ein, um ein gemeinsames Datum für die Osterfeiertage zu finden.
Daraufhin wurde die Kreuzigung und Auferstehung Jesu auf das erste Wochenende nach dem
ersten Neumond nach der Frühjahrs-Tagundnacht-Gleiche gesetzt. In dem die Person Jesus zu
"Gottes Sohn" ernannt wurde, verschmolz der christliche Kult mit dem Sonnenkult
"Sol Invictus". Aus dem Mitraskult übernahmen die Christen zudem die Symbolik
von dem Jüngsten Gericht und der Auferstehung der Toten.
So entstand der christliche Glaube, wie wir ihn heute kennen, aus der Verschmelzung mit
den oben erwähnten Glaubensrichtungen in Rom und verlor damit immer mehr von seinen
ursprünglichen von den Essenern stammenden Anschauungen. Der christliche Glaube, welcher
sich dann in Europa verbreitete, kam ursprünglich auch nicht aus dem orthodoxen
Christentum Roms, sondern war das eher gnostisch geprägte Arianische Christentum.
Nun geschah eine der größten und weitreichendsten Fälschungen der Geschichte, die
sogenannte "Konstantinische Schenkung". Der Kaiser besaß aufgrund seiner
Herrschaft die Macht über Westeuropa. Damit die römische Kirche ebenfalls einen Einfluss
auf diese Länder nutzbar machen konnte, wurde im 8. Jahrhundert ein Dokument ersonnen, in
welchem Konstantin im Jahre 312 scheinbar alle seine weltlichen Rechte an den Bischof von
Rom abgetreten haben soll. Dieser gab sie ihm quasi als Dank wieder zurück mit der
Aufgabe, sie für die Kirche zu verwalten. Somit besaß die römische Kirche das Recht,
über die europäischen Völker zu herrschen und vermochte Karl den Großen um 800 nach
Christi zum Kaiser zu ernennen. Denn ohne diese gefälschte "Konstantinische
Schenkung" wäre der damalige Papst rein rechtlich nicht in der Lage gewesen, ihn zum
Kaiser des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" zu krönen.
Der Israelitische Stamm Benjamin und die Merowinger
In diesem Kapitel soll von einem geschichtlichen Ablauf gesprochen werden, welcher nicht
zu der von der römischen Kirche anerkannten Darstellung gehört, aber wichtig ist, um die
ganzen Zusammenhänge zu verstehen. Sie beginnt mit dem israelitischen Stamm Benjamin, von
dem ja bereits im Zusammenhang mit Maria Magdalena die Rede gewesen ist. Er stellte mit
Saul den ersten israelitischen König. Seine Königslinie wurde verdrängt vom David aus
dem Hause Juda. Im 5. Buch Moses Kap. 33,12 ff. wird deutlich, dass der Stamm Benjamin
für Moses der "Liebling des Herrn" gewesen ist und deshalb hoch angesehen war.
Als es (vielleicht deshalb) zu einem Bruch mit den anderen elf Stämmen kam, wanderten
viele seiner Angehörigen in die Gegend um Akadien oder Troja aus und um ca. 400 nach
Christi weiter in den Raum Franken, wo wir sie als die Merowinger kennen lernten.
Sie benutzten in ihrem Wappen das gleichschenklige Kreuz ähnlich dem Templerkreuz und
ihnen werden okkulte oder esoterische Fähigkeiten zugeschrieben. Sie trugen lange Haare,
welche sie als die Quelle Ihrer Kraft ansahen. Damit ähnelten sie dem
alttestamentarischen Volk der Nasiräer. In Gräbern von hochgestellten Merowingern wurden
sogar Kristallkugeln gefunden. Der erste Merowinger-König hieß Merowech, der 457 nach
Christus starb. Sie waren Priesterkönige, genauso wie David und alle anderen
israelitischen Könige, vereinigten also die weltliche und religiöse Macht in einer
Person. Sie regierten nicht selbständig, sondern überließen diese Aufgabe einem
sogenannten Hausmeier, welcher aus machtpolitischen Gründen nicht der Königsfamilie
angehören durfte.
Die Merowinger zogen von hier über den Odenwald bis in die Gegend des heutigen Süden von
Frankreichs. Hier dürfte auch die Ursache in der Gleichheit mit dem Staatsnamen liegen.
496 ließ sich Chlodwig I. taufen und ging einen Bund mit der römischen Kirche ein, durch
den sein Königstitel offiziell von Rom anerkannt wurde. Wie geschichtlich bekannt, endete
die Merowinger-Dynastie 678 mit der Ermordung von Dagobert II., was scheinbar in
Abstimmung mit der römischen Kirche geschah. Spätestens hier brach Rom also den Bund,
den sie vorher mit Chlodwig geschlossen hatten. Doch warum geschah dies? Warum sollte die
Adelslinie der Merowinger aussterben?
Inoffiziell hatte Dagobert allerdings einen Sohn hinterlassen mit dem Namen Sigibert IV.
(auch Graf von Razes). Aus dieser Linie gingen im 11. Jahrhundert die Linie der
"Plandards" hervor, die Schottische Königsdynastie der Stuarts, das Hause
Lothringen, der deutsche König und römische Kaiser Heinrich IV. und Gottfried von
Bouillon, der den ersten Kreuzzug ins Heilige Land führte und dort zum König von
Jerusalem gekrönt wurde. Letzteres ist geschichtlich bekannt, doch wie geschah es, dass
ein europäischer Adeliger ein Recht auf den Jerusalemer Königstitel hat? Entstammt
dieses Recht rein aus dem Vorteil der Eroberung heraus? Oder weil bekannt gewesen ist,
dass Gottfried von Bouillon über die Merowinger-Blutslinie bis zurück zum Hause Benjamin
einen wahren Anspruch auf diesen Titel besaß?
Einen weiteren Hinweis finden wir bei der Beantwortung der Frage, warum die Merowinger
überhaupt quer durch Europa gezogen sind und nicht im Frankenland blieben. Wie schon
erwähnt, soll Maria Magdalena mit den Kindern von Jesus und mit Joseph von Arimathia, dem
Freund der Familie nach Südfrankreich geflüchtet sein. So liegt nun der Verdacht nahe,
dass die Merowinger hiervon Kenntnis hatten, und sich wieder mit einem Spross ihrer
eigenen Blutslinie verbinden wollten. Auf diese Weise hätte Gottfried von Boullion sogar
Jesus Rechte auf die Jerusalemer Königskrone. Ein weiterer Nachfahre aus dieser
Blutslinie ist übrigens Otto von Habsburg, der ebenfalls Besitzer der Titularkrone
Jerusalems war.
Die Tempelritter und der Orden "Prieurè de Sion"
Obwohl ich mich in den vergangenen Jahren recht intensiv mit Geheimorden oder ähnlichen
Organisationen beschäftigte, hatte ich von dem Orden des "Prieurè de Sion"
bisher nichts gehört. Informationen über ihn gibt es scheinbar auch nur aus einer
einzigen Quelle, nämlich in Schriften des Franzosen Pierre Plantard (1920 bis 2000),
welcher sich selber als ein Nachkomme der königlichen Blutsfamilie der Merowinger sieht.
In wissenschaftlichen Kreisen gelten seine Dokumente allerdings als eine Fälschung und
finden somit keine Beachtung.
Aus seinen Schriften geht hervor, dass dieser geheimnisvolle Orden im Jahre 1099 von
Gottfried von Bouillon in Jerusalem gegründet worden ist, kurz nachdem die Stadt im
ersten Kreuzzug von den Christen erobert wurde. Sein Name stammt von der Abtei der
"Notrè-Dame de Sion", die sich in der Nähe des Jerusalemer Zion-Tores befand
(Stätte des Heiligen Abendmahls und Grab Davids). Wahrscheinlich reiste er dann wieder
zurück nach Europa, wo er 1104 an einem geheimen Treffen des Hochadels teilnahm, zusammen
mit dem Grafen von der Champagne. Es waren auch Vertreter einflussreicher anderer Familien
dabei, wie Andre de Montbarts, Brienne, Joinville, Chaumont.
Nach dem Treffen reiste der Graf von der Champagne selber ins Heilige Land und hielt sich
dort vier Jahre auf. Nachdem er zurückgereist war, begann im Jahre 1114 eine zweite Reise
mit der Absicht, sich der "Militia Christi" anzuschließen, damals eine weitere
Bezeichnung des Templer-Ordens. Nur war dieser zu diesem Zeitpunkt offiziell noch gar
nicht begründet worden, was erst 1118/1119 durch Hugo von Payens geschah, einem Edelmann
aus der Champagne. Damals hieß der Orden mit vollständigem Namen "Armen
Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel", da sich die Gründungsritter in
Jerusalem am Fuße des früheren Salomonischen Tempels niedergelassen hatten. Aber warum
gerade an einer sicherlich für Juden geschichtlich wichtigen Stelle, die allerdings keine
besondere Bedeutung haben dürfte für eine Organisation, mit dem offiziellen Ziel, die
christlichen Pilgerströme auf ihrem Weg nach Jerusalem zu beschützen?
Es gab 9 Gründungsmitglieder und sie nahmen in den ersten Jahren keine weiteren
Mitglieder auf. Doch in dieser Größe waren sie viel zu wenige, um dieser Aufgabe
wirklich nachzukommen. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass bei den alten Tempelmauern
bereits 1099 etwas gefunden worden ist, was vor der Römischen Kirche verborgen gehalten
werden musste. So gründete man zuerst den Orden "Prieurè de Sion", der
allerdings, um das Geheimnis oder den Schatz sicher bewahren zu können, nach außen hin
über eine Tarn-Organisation operierte. Und dazu entstand der Templer-Orden, dessen wahre
Aufgabe selbstverständlich ebenfalls geheimgehalten werden musste. Vielleicht wusste man
auch schon viele Jahre zuvor über dieses so brisante "Geheimnis" bescheid und
hier liegt der wahre Grund, warum die zwar sehr heilige, aber von Europa so weit weg
liegende Stadt Jerusalem von der Herrschaft durch die Moslems befreit werden musste.
Zudem erklärt für mich die offizielle Aufgabe des Templer-Ordens, also der Schutz der
christlichen Pilger auf ihrem Weg nach Jerusalem, nicht ausreichend, weshalb sich dieser
innerhalb von nur wenigen Jahre rasend schnell über ganz Mittel- und Westeuropa
verbreitete und sehr rasch an Geld und Einfluss gewann. 1139 bestimmte der Papst Innozenz
II. sogar, dass die Templer keiner weltlichen oder kirchlichen Macht außer dem Papst
Gehorsam schulden. Die Tempelmeister, also die obersten Ordensführer, waren sehr
angesehen und verkehrten in den höchsten Kreisen, nahmen u.a. in England an Sitzungen des
Parlamentes teil und pflegten diplomatische Beziehungen zu Sarazenen.
Bisher ist für mich noch völlig unklar, was für ein wichtiger "Schatz" damals
in Jerusalem gefunden wurde. Einerseits kann es sich natürlich auch um den Heiligen Gral
gehandelt haben, doch der sollte ja bereits nach dem Tode Jesus nach Südfrankreich
gebracht worden sein. Später schien der Gral in den Besitz der religiösen Gemeinschaft
der Katharer gelangt zu sein, welche immer wieder im Zusammenhang mit der Gralsfamilie und
einem geheimnisvollen Schatz erwähnt werden. Nachdem die Katharer 1244 mit der
Erstürmung ihrer Burg am Berg Montsegur vernichtend geschlagen worden sind, ging dieses
Geheimnis im Übrigen an den Templer-Orden über.
Die Templer förderten die Wirtschaft und die Wissenschaften, nahmen im Geldverkehr
Funktionen der heutigen Banken an. Dem König Philipp IV. von Frankreich wurden sie zu
mächtig und er zerschlug den Orden am Freitag, den 13.10.1307, in dem er alle
Tempelmeister verhaftete. Hintergrund war wohl auch die Absicht, an den schon erwähnten
geheimen Schatz heranzukommen, doch dies gelang König Philipp scheinbar nicht.
Ein Jahr vorher wurde, ebenfalls durch Mitwirkung der "Prieurè de Sion", der
hermetische Freimaurer-Orden gegründet, der die geheime Aufgabe des bald verbotenen
Templerordens weiterführen sollte. Auch die Gründung des esoterischen
Rosenkreuzer-Ordens steht im Zusammenhang mit dem "Prieurè de Sion". Zudem
scheint dieser Orden auch hinter der "Compagnie du Saint-Sacrement"
(Gesellschaft vom Heiligen Abendmahl) zu stehen, welcher um 1627 oder 1629 entstand. Nach
außen hin wirkte er sehr katholisch und sollte offiziell gegen die Häresie angehen.
Häresie ist die Leugnung der Gottessohnschaft Jesu, wofür auch die Freimaurer
verdächtigt wurden. Allerdings waren diese "offiziellen Ziele" nur eine gute
Tarnung um im Verborgenen ihre eigentlichen Ziele zu verfolgen, die darin bestanden, in
Frankreich wieder die alte Herrschaft der merowingischen Blutslinie an die Macht zu
bringen.
Weiterhin soll aus dem Geheimorden der "Prieurè de Sion" um 1873 der Geheimbund
"Hièron du Val d'Or" hervorgegangen sein. Deren Ziele lagen in der Errichtung
eines neuen "Heiligen Römischen Reiches" mit einem okkulten europäischen
König aus dem Hause Habsburg / Lothringen, in welchem sich weltliche und religiöse Macht
wieder vereinen sollten. Das Recht auf diese Herrschaft, ließ sich - wie schon erwähnt -
aus den beiden sich vereinigten Blutslinien der Merowinger und Maria Magdalena ableiten.
Unser sagenhafter geheimer Orden soll auch die sogenannten "Protokolle der Weisen von
Zion" erstellt haben. Dieser Text tauchte erstmalig 1884 in französischer Sprache
auf und beschreibt inhaltlich die Errichtung einer Eine-Welt-Herrschaft.
Die Liste der Großmeister des "Prieurè de Sion" reicht bis 1918 und trägt
u.a. folgende Namen: Johann von Gisors, Wilhelm von Gisors, Nicolas Flamel, Renè von
Anjou, Leonardo da Vinci, Karl III., Robert Fludd, Robert Boyle, Isaac Newton, Charls
Radclyffe, Karl Alexander Emanuel von Lothringen, Charles Nodier, Victor Hugo, Claude
Debussy und ab 1918 bis 1963 Jean Cocteau. Seit 1981 soll der führende Großmeister
Pierre Plantard de Saint-Clair sein, von dem am Anfang dieses Abschnitts bereits die Rede
gewesen ist.
Intern wurden die Großmeister des Ordens mit dem Namen Johannes und einer fortlaufenden
Nummer bezeichnet. So nannte sich der erste Großmeister "Johannes I" und Jean
Cocteau wurde zu "Johannes XXIII". Genauso nannte sich aber auch der 1958 zum
Papst gewählte Kardinal Angelo Giuseppe Roncalli, angeblich ein Mitglied der
Rosenkreuzer. Das ungewöhnliche daran war, dass die Rosenkreuzer seit Ihres Bestehens von
der Kirche aufs Erbitterste bekämpft wurden. Johannes XXIII. ging aber mit dem II.
Vatikanischen Konzil theologisch ganz neue Wege und erlaubte sogar, dass Katholiken ab
sofort Mitglied eines Freimaurer-Bundes sein dürften. Hier scheint es also in der Neuzeit
geheime Verbindungen zwischen dem Vatikan und dem "Prieure de Sion" zu geben.
Resümee
Mit diesem Text habe ich versucht, das Thema aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln
darzustellen. Einerseits ist da die mythologische Bedeutung des Heiligen Gral,
andererseits gibt es Erzählungen von Gralsrittern und einer Gralsfamilie, die im
Zusammenhang stehen mit einer königlichen Blutslinie, welche wir über Maria Magdalena
und Jesus bis zu den ersten jüdischen Königen zurückverfolgen könnten. Von hier stammt
sicherlich auch der Ausdruck des "Blauen Bluts", den wir für Mitglieder unserer
europäischen Adelshäuser verwenden. Blau ist seit jeher die königliche, aber auch
gleichzeitig die göttliche Farbe. Jesus ist auf den mittelalterlichen Gemälden meist mit
einem blauen Obergewand gemalt worden.
Die Farbe Blau ist in seiner göttlichen Symbolik natürlich abgeleitet von unserem
Himmel, der bei Sonnenschein in einem wunderbaren Blau erstrahlt. Haben die Königshäuser
diese Farbe gewählt, um sich so Gott näher zu fühlen? Meiner Ansicht nach geht diese
Symbolik zurück in eine Zeit, wo weltliche und religiöse Herrschaft noch nicht
voneinander getrennt waren. Dabei gab es diese Priesterkönige nicht nur in Israel,
sondern auch im alten Ägypten und in vielen anderen Traditionen. Bis heute ist der Tenno,
der japanische Kaiser, auch gleichzeitig oberster Priester seines Landes.
Wenn wir also von den Nachkommen Jesus und Maria Magdalena sprechen, dann geht es nicht
nur um eine spirituelle oder religiöse Führung, sondern immer bezieht es sich auch auf
eine weltliche Herrschaft. Und da scheint seit über 1000 Jahren ein Kampf zwischen der
Römischen Kirche einerseits und den Bewahrern der Blutslinie Jesus andererseits
stattzufinden. Doch handelt es sich hier, zugegeben, im Wesentlichen um Spekulationen,
denn richtige Beweise gibt es bis heute (ich schreibe dies im Juni 2006) nicht. Vielleicht
verhilft das bereits ca. 50 Millionen mal verkaufte Buch "The Da Vinci Code" (in
der deutschen Ausgabe "Sakrileg") zusammen mit dem Kinofilm diese Wahrheit nun
immer mehr ans Tageslicht zu bringen. Mein Gefühl sagt mir, dass die Zeit hierfür jetzt
reif ist.
Betrachten wir den Gral in diesem Zusammenhang, so erscheint er uns als ein Geheimnis,
welches zwei Jahrtausende überdauern musste, bis es in der heutigen Zeit mehr und mehr an
die Öffentlichkeit gebracht wird. Die in diesem Text angesprochenen Orden oder
Geheim-Organisationen haben damit ihre Aufgabe erfüllt, die Wahrheit zu hüten, bzw. die
heilige Adelslinie zu beschützen.
Für mich verbindet der Heilige Gral sehr unterschiedliche Deutungsebenen miteinander.
Eine davon ist die heilige Blutslinie Christi, eine andere liegt auf jeden Fall in seiner
mystischen Symbolik, verwandt mit dem Stein der Weisen oder auch der jüdischen
Bundeslade. Dies sind alles "Gegenstände", welche den Menschen helfen sollten,
wieder in Verbindung zu Gott zu finden, ewiges Leben und Gesundheit zu erlangen. All das,
wonach wir uns über die vielen Jahrtausende der westlichen Menschheitsgeschichte so sehr
gesehnt haben. So steht er in diesem Zusammenhang für unsere Rückkehr ins Paradies oder
für den Weg zurück in die Einheit mit Gott.
Doch war und ist dies immer ein innerer Weg gewesen, bei dem also niemals irgendwelche
äußeren oder weltlichen Gegenstände ausschlaggebend sein konnten. Somit werden wir den
Stein der Weise oder auch den Heiligen Gral niemals außerhalb von uns entdecken können,
sondern sie stehen nur stellvertretend für unsere eigene göttlichen Essenz oder den
Gottesfunkens in unserem Herzen. Die Suche nach dem Heiligen Gral ist deshalb immer die
Suche nach uns selbst, nach unserer Göttlichkeit oder unserer wahren Bestimmung. Auf
diese Weise finden wir wieder zurück zu den beiden sagenhaften Gralsgeschichte von
Chrétien de Troyes und Wolfram von Eschenbach, mit denen wir begannen.
Wie bereits erwähnt, erzählen sie von einem jungen und unerfahrenen Ritter, der seinen
Erfahrungsweg geht und viele Prüfungen zu bestehen hat. Der Held wird hier in den
Qualitäten eines Narren beschrieben, als ein Mensch mit einer gewissen naiven oder
unschuldigen Einstellung zum Leben. Dies erinnert mich an die Karten der großen Arkana im
Tarot. Das sind 22 Karten, die in ihrer Abfolge unseren inneren Reifeweg beschreiben und
sich in verkürzter Form so darstellen: Die Arkana beginnt mit der Karte 0, dem Narren,
der für das offene und unverfälschte Herangehen an etwas Neues steht, für einen
Neuanfang. Dann geht es weiter über den Magier, der im Sinne unserer Gralserzählung das
Ziel unseres Weges beschreibt, sich selbst und sein Leben zu beherrschen.
Auf unserem Erfahrungsweg begegnen wir unterschiedlichen Lehrern (Der Hohepriester),
welche uns vollkommen andere Sichtweisen über unsere Wirklichkeit aufzeigen (Der
Gehängte). Durch tiefe Wandlungsprozesse (Der Tod), über den Zusammenbruch unseres
bisherigen Weltbildes (Der Turm) bis hin zum vollkommenen Annehmen unserer
Selbstverantwortung (Jüngstes Gericht bzw. das Aeon), endet dieser Zyklus in der Karte
Nr. 21 in dem Finden unserer Meisterschaft (Die Welt, bzw. das Universum). Und da steckt
für mich auch die ursprüngliche Bedeutung im Ritter sein, zu einem loyalen und integren
Menschen zu reifen und sodann einer höheren Macht wie Gott oder dem Licht dienend, für
Gerechtigkeit, Wahrheit und Menschlichkeit einzustehen.
Aber der Heilige Gral kann uns in Form eines Symbols auch noch etwas anderes vermitteln:
Dabei geht es weniger um das Gefäß, sondern mehr um dessen Inhalt. Steht der Kelch nun
stellvertretend für unseren Körper, so symbolisiert dieser unsere Seele, die bekanntlich
unsterblich ist, also ewig lebt. Und damit besitzt sie genau jene Eigenschaften, welche
die Menschen erlangen sollen, die von dem Heiligen Gral trinken. So vermag er uns zu
lehren, die bisherige Sichtweise über uns selber zu erweitern, uns nicht nur als Menschen
mit einem vergänglichen physischen Körper, sondern als unendliche göttliche Wesen zu
betrachten. Dann überwinden wir den irdischen Tod und verwirklichen die sicherlich
wesentlichste Botschaft Jesu über die "Auferstehung in das ewige Leben".

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